Wenn Wohnungslosigkeit auf das Alter trifft
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Immer mehr Menschen in Deutschland sind wohnungslos und ein immer größerer Anteil der wohnungslosen Menschen ist über 50 Jahre alt. Die aktuellen Statistiken für das Berichtsjahr 2024 der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zeigen: Mittlerweile sind 27 Prozent der Klient:innen von Wohnungsnotfallhilfen über 50 Jahre alt– vor 20 Jahren waren es noch 21 Prozent.
Als franzfreunde setzen wir uns dafür ein, dass Wohnungslosigkeit grundsätzlich überwunden wird und im besten Fall gar nicht erst entsteht. Gleichzeitig braucht es Lösungen für die aktuellen Probleme. Diese sind vielschichtig und mehrdimensional.
Grundsätzlich gilt: Je länger die Wohnungslosigkeit anhält, desto schwerwiegender sind die Folgen. Schwierige Lebensbedingungen, Begleiterscheinungen wie Sucht und andere gesundheitliche Probleme können zu einer Voralterung des Körpers führen. Chronische Erkrankungen und eingeschränkte Mobilität treten häufiger auf. Zusammen mit Armut und sozialer Isolation können diese Belastungen den Weg aus der Wohnungslosigkeit zusätzlich erschweren.
Unterstützungsbedarf verändert sich mit dem Alter
Wohnungslose Menschen brachen Hilfeangebote, die auf ihre Lebenslage zugeschnitten sind.
Für wohnungslose Menschen mit Pflegebedarf ist das zum Beispiel unsere Villa. Dort finden diese bis zu ihrer Aufnahme in der Einrichtung wohnungslosen Menschen ein stabiles Wohnumfeld und erhalten individuelle Unterstützung entsprechend ihrer jeweiligen Bedürfnisse. Unsere Kolleg:innen betreuen die Menschen pflegerisch, begleiten sie bei Herausforderungen im Alltag und zu Terminen und unterstützen bei der Inanspruchnahme verschiedener Angebote. Vertraute Ansprechpersonen sorgen zudem für Kontinuität, wenn sich Gesundheit, Mobilität oder der Unterstützungsbedarf verändern. Wir akzeptieren ihre eigene Lebenskultur und fördern sie dabei, in Würde zu altern.
Doch spezialisierte Unterstützung im Alter kann nicht die einzige Antwort sein.
Wir müssen früher ansetzen
Das Ziel muss ebenso sein, zu verhindern, dass Menschen wohnungslos werden und dann über lange Zeit bleiben.
Dafür braucht es politische Investitionen auf vielen Ebenen: deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum, starke Präventionsangebote mit Unterstützungsangeboten in Lebenskrisen, die bereits vor einem Wohnungsverlust greifen sowie einen verlässlichen Zugang zu psychischer und körperlicher Gesundheitsversorgung. Für die vielen Menschen, die bereits wohnungslos sind, braucht es eine verlässliche Finanzierung der unterschiedlichen Unterstützungsangebote, damit Menschen wieder Stabilität gewinnen und auf dem Weg in dauerhaften Wohnraum unterstützt werden können.
Auch Beschäftigung gehört dazu. Für Menschen, die lange vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen waren, können passende Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote Struktur, neue Perspektiven und einen Weg zu mehr Selbstständigkeit schaffen. Wie das konkret aussehen kann, zeigt auch unsere Beschäftigungshilfe: Sie bereitet den Weg zur beruflichen (Re)Integration.
Ausreichend Wohnraum, zuverlässige Gesundheitsversorgung, aktivierende Beschäftigungsangebote und Unterstützung für die Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten dürfen dabei nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Sie sollten ineinandergreifen. Jeder dieser Bereiche kann mitentscheiden, ob ein Mensch Wohnungslosigkeit vermeiden kann, einen Weg aus der Wohnungslosigkeit findet – oder über Jahre darin verbleibt.
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