Wohnungslose Frauen brauchen geschützte Räume für einen Neuanfang
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Seit November 2025 sind zwei Frauen in unsere erste Frauen-Außenwohngruppe eingezogen. Was mit zwei Bewohnerinnen begann, hat sich nach und nach zu einem gemeinsamen Zuhause entwickelt - geprägt von Alltagsroutinen, kleinen Erfolgen und neuer Stabilität.
Und noch jemand lebt in der Gemeinschaft mit den Frauen: [i]Boba, ein Golden Retriever, der still und leise zum Herz des Hauses geworden ist. Ein Begleiter, eine Quelle von Trost und oft der Anlass für gemeinsames Lachen in Küche und Garten. In vielerlei Hinsicht spiegelt er den Geist dieses Ortes wider: beständig, stabilisierend und warm.
Diese Außenwohngruppe ist weit mehr als nur eine Unterkunft. Sie steht für einen geschützten Raum, in dem Frauen wieder Kontrolle über ihr Leben gewinnen, Vertrauen in sich selbst aufbauen und konkrete Schritte in Richtung eines selbstbestimmten Lebens gehen können.
Begleitet wird die Gruppe von den Sozialarbeiterinnen Marion Moelders und Katarina Paeffgen, die den Frauen Struktur im Alltag geben und ihnen als verlässliche Ansprechpartnerinnen zur Seite stehen.
Unsere Übergangswohngruppen sind Stationäre Wohnformen mit Selbstversorgung Wohnformen, die den Übergang aus der Wohnungslosigkeit in eine stabile und eigenständige Zukunft unterstützen. Sie bieten Alltag, gemeinsame Verantwortung und Gemeinschaft – verbunden mit fachlicher Begleitung und individueller Unterstützung.
„Nur noch fünfmal pro Nacht aufzuwachen statt fünfzehnmal, ist für mich ein riesiger Fortschritt. Und das in nur vier Monaten. Es ist ein kraftvolles Gefühl, sich wieder sicher zu fühlen“, berichtet eine Bewohnerin.
Eine andere Bewohnerin hat inzwischen eine Tätigkeit in einer Einrichtung von Franzfreunde aufgenommen. Ihr Weg zeigt exemplarisch, was durch stabile Rahmenbedingungen möglich wird: ein sicherer Wohnraum, Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten und verlässliche Alltagsstrukturen können die Grundlage dafür schaffen, wieder Schritt für Schritt in ein selbstständiges Leben zurückzufinden.
Ihre Worte machen deutlich, was Statistiken oft nicht erfassen: Sicherheit ist nichts Abstraktes. Sie ist zutiefst persönlich.
Warum Frauenräume unverzichtbar sind
Die Lebensrealitäten wohnungsloser Frauen bleiben häufig unsichtbar und sind oft von Abhängigkeit, Zwang und Angst geprägt. Viele meiden Notunterkünfte, weil sie sich dort nicht sicher fühlen oder eine Retraumatisierung befürchten. Andere bewegen sich zwischen prekären Wohnsituationen, um das Leben auf der Straße zu vermeiden – oft auf Kosten ihrer eigenen Sicherheit.
Für Frauen mit Gewalterfahrungen oder Ausbeutungserlebnissen ist der Weg zurück in Stabilität ohne einen geschlechtersensiblen Rahmen kaum möglich: ein Ort, an dem Anspannung nachlassen kann, Türen ohne Angst geschlossen werden können und Ruhe wieder möglich wird.
In unserer Frauenwohngruppe können sich die Bewohnerinnen auf konkrete Schritte in Richtung Selbstständigkeit konzentrieren – etwa auf den Umgang mit Behörden, die Suche nach dauerhaftem Wohnraum oder die berufliche Perspektivplanung – ohne ständig mit Unsicherheit umgehen zu müssen.
Doch die Wirkung geht über das Praktische hinaus.
Gemeinsame Mahlzeiten. Alltägliche Aufgaben. Spaziergänge mit Boba. Gespräche am Küchentisch.
Diese Momente bauen etwas Wesentliches wieder auf: Vertrauen – in andere und in sich selbst.
Eine gemeinsame Verantwortung
Diese Außenwohngruppe steht für das klare Bekenntnis, dass wohnungslose Frauen spezifische und dringende Bedarfe haben. Doch solche Projekte dürfen keine Einzelfälle bleiben. Wir brauchen mehr davon.
Die Wohnungslosigkeit von Frauen erfordert gezielte politische Aufmerksamkeit, geschlechtersensible Wohnangebote und nachhaltige öffentliche Investitionen. Sichere, spezialisierte Räume dürfen nicht die Ausnahme sein – sie müssen Teil einer strukturellen Antwort werden.
Wohnen ist kein Privileg. Es ist die Grundlage für Sicherheit, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe.
Wenn wir Wohnungslosigkeit wirksam bekämpfen wollen, müssen wir über kurzfristige Lösungen hinausdenken. Es braucht langfristige Perspektiven – von der Straße über geschützte Übergangsangebote hin zu dauerhaftem Wohnraum und sozialer Einbindung.
Dieses Haus ist ein Schritt auf diesem Weg.
Doch es braucht viele weitere.
[i] Name geändert
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