Wenn Ausruhen keine Option ist – Teil 2
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Lukas und Dominik verlassen das Krankenhaus an unterschiedlichen Tagen – mit Entlassungspapieren, Schmerzmitteln und Anweisungen, die auf dem Papier einfach klingen.
Ausruhen.
Das verletzte Bein entlasten.
Zur Nachuntersuchung wiederkommen.
Für Dominik beginnt die Genesung in dem Moment, in dem er durch die Tür des Krankenhauses tritt.
Dominik schafft es kaum bis zum Bordstein, als sein Handy vibriert.
„Wo bist du?“
Es ist einer seiner Freunde.
Drei Minuten später fährt ein Auto vor dem Krankenhauseingang vor. Sein Freund steigt sofort aus, nimmt Dominik die Reisetasche ab und hilft ihm vorsichtig auf den Beifahrersitz.
„Alter, du siehst schrecklich aus. Hast du bei Fortuna mitgespielt, oder was?“, scherzt er, um die Stimmung etwas aufzulockern.
Dominik lacht schwach.
Auf dem Weg nach Hause halten sie noch an einer Apotheke, um die Medikamente abzuholen. Schmerzmittel. Entzündungshemmende Medikamente. Dinge, die die nächsten Tage wenigstens etwas erträglicher machen sollen.
Als sie an der Wohnung ankommen, besteht sein Freund darauf, die Tasche nach oben zu tragen.
„Alles gut? Brauchst du noch was?“
Dominik schüttelt den Kopf. „Alles okay!“
In seiner Wohnung ist es ruhig. Warm. Trocken. Der Weg vom Sofa zum Badezimmer ist kurz. Das Ladekabel liegt neben dem Bett, die Medikamente auf dem Tisch, der Kühlschrank ist nicht leer. Wenn der Schmerz stärker wird, kann Dominik sich hinlegen. Wenn ihm schwindelig wird, kann er warten, bis es besser wird. Wenn er Hilfe braucht, kann er jemanden anrufen.
Nachdem sein Freund ihn verlassen hat, ruft er im Krankenhaus an, um den Nachsorgetermin zu vereinbaren und trägt ihn in den Kalender ein.
Für Dominik steht die Genesung im Mittelpunkt. Alles andere ordnet sich darum herum neu.
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Lukas verlässt das Krankenhaus auch allein, aber niemand ruft ihn an.
Die Krücken fühlen sich ungewohnt unter seinen Armen an, während er sich langsam durch die Stadt bewegt. Jeder Schritt schmerzt – trotz des Gipses am Bein. Ihm ist klar, dass er nicht zu seinem üblichen Schlafplatz zurückkehren kann. Nicht bei dem Regen. Nicht bei der Kälte. Nicht mit dem Gips.
Seit Tagen schon denkt er darüber nach, wie er jetzt weitermachen soll.
Als er seinen Unterschlupf erreicht, in dem er einige seiner Sachen versteckt hält, ist ein Teil davon nass geworden. Eine Plastiktüte ist aufgerissen. Einige Dinge fehlen.
Vielleicht hat sie jemand mitgenommen. Vielleicht wurden sie von der Stadt entsorgt. Vielleicht hat der Regen sie zerstört.
In diesem Moment spielt es kaum eine Rolle. Wichtig ist nur, dass er dort heute Nacht nicht bleiben kann.
Mit einem gebrochenen Bein draußen zu schlafen, ist etwas anderes. Die Kälte zieht schneller in den Körper. Die Feuchtigkeit setzt sich fest. Der Gips darf nicht nass werden. Aufstehen, Hinsetzen oder der Weg zur Toilette waren vorher schon schwierig – was vorher schon schwierig war, wird zum echten Problem.
Ein paar andere wohnungslose Menschen sitzen in der Nähe unter dem Betonvorsprung.
Einer von ihnen bemerkt sofort den Gips.
„Was ist denn mit dir passiert?“
Lukas humpelt vorsichtig zu ihnen.
„Bruch“, sagt er leise.
Jemand pfeift leise durch die Zähne.
„Scheiße.“
Ein anderer fragt, wo er den ganzen Tag gewesen sei.
„Krankenhaus. Warten. Röntgen. Du weißt ja, wie das läuft.“
Ein paar von ihnen nicken verständnisvoll. Krankenhäuser dauern ewig.
Eine Weile sagt niemand etwas. Irgendwo draußen prasselt Regen gegen den Asphalt.
Dann deutet einer der Männer auf den Gips.
„Damit kannst du nicht draußen schlafen.“
Ein anderer schüttelt direkt den Kopf.
„Thomas hat das letzten Winter versucht, nachdem er sich den Arm gebrochen hatte“, sagt er. „Zwei Nächte hat er draußen geschafft, dann ist er doch in einer Unterkunft gelandet. Die Schmerzen wurden wohl unerträglich. Ich glaube, er hat sogar eine Entzündung bekommen.“
Lukas bleibt einen Moment still.
Dann fragt er:
„In welche Unterkunft ist er gegangen?“
„Ich glaube, er wollte zuerst zur Harkortstraße, aber da war alles voll. Die Mitarbeitenden dort haben dann herumtelefoniert und ihm einen Platz auf der Kaiserswerther Straße organisiert“, sagt jemand.
„Du solltest auf jeden Fall zu GAST gehen. Das ist von hier am nächsten und die Mitarbeitenden dort sind wirklich hilfsbereit“, schlägt ein anderer vor.
Für ein paar Minuten bleibt das Gespräch bei dem Thema. Draußen zu schlafen sei schlimmer, sagen sie ihm. Besonders mit einer Verletzung.
„Damit kannst du nicht draußen schlafen.“
Der Satz geht Lukas nicht mehr aus dem Kopf. Er zögert zwar, denkt aber darüber nach.
Kann er sich das vorstellen?
Fortsetzung folgt …

