Ein Morgen auf der Straße: Persönliche Eindrücke von einer Streetwork-Runde
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Zum ersten Mal eine Streetwork-Runde zu begleiten, war gleichzeitig augenöffnend und sehr demütigend. Als jemand, der selbst nicht im Streetwork tätig ist, hat mir schon dieser kurze Einblick eine völlig neue Perspektive darauf gegeben, was diese Arbeit in der Praxis wirklich bedeutet.
Der ursprüngliche Plan war eigentlich ganz einfach: Wir wollten mit zwei Fahrrädern losfahren. Jan Kockskaemper, Sozialarbeiter und Koordinator des Streetwork-Teams, sollte sein eigenes Fahrrad fahren und ich ein weiteres, das vorne mit einer Transportbox ausgestattet war, in der sich alle Dinge befanden, die wir verteilen wollten. Doch schon nach wenigen Minuten merkte ich, dass es deutlich schwieriger war, als ich angenommen hatte. Ein Fahrrad mit zusätzlichem Gewicht vorne zu balancieren, stellte sich als echte Herausforderung heraus, und ich hatte Schwierigkeiten, es sicher zu fahren. Deshalb mussten wir spontan umplanen und ich fuhr schließlich hinten bei Jan mit.
Es war nur ein kleiner Moment, aber einer, der mir im Gedächtnis geblieben ist. Ich hatte ganz selbstverständlich angenommen, dass Fahrradfahren zu können ausreichen würde. Worüber ich vorher nicht nachgedacht hatte, war die zusätzliche Herausforderung, sich mit einem beladenen Fahrrad durch die Stadt zu bewegen, das Gleichgewicht zu halten und gleichzeitig aufmerksam für die Umgebung zu bleiben. Es war eine einfache, aber eindrückliche Erinnerung daran, wie leicht man die praktischen Herausforderungen hinter dieser Arbeit unterschätzt.
Der Morgen ging weiter mit einer sogenannten Coffee Run. Gemeinsam fuhren wir durch verschiedene Teile Düsseldorfs und hatten Kaffee, Wasser, Taschentücher, Feuchttücher und Hygieneartikel dabei. Für Frauen führten wir außerdem Menstruationshygieneprodukte mit — kleine, aber wichtige Dinge, die oft übersehen werden. Während wir durch die Stadt fuhren, sprachen wir Menschen auf der Straße an und fragten einfach, ob sie etwas benötigen.
Neben diesen Dingen war ein wichtiger Teil der Arbeit auch das Weitergeben von Informationen. Wir informierten darüber, wo sich Unterkünfte befinden, wo man duschen kann oder an welche Stellen man sich für weitere Unterstützung wenden kann. Diese Gespräche fanden immer offen und ohne Druck statt — jede Person konnte selbst entscheiden, ob und wie viel sie erzählen oder annehmen wollte.
Besonders beeindruckt hat mich, wie viele Dinge wir im Alltag als selbstverständlich betrachten. Eine Tasse Kaffee am Morgen, Zugang zu sauberem Trinkwasser oder grundlegende Hygieneartikel — über all das müssen viele Menschen nie bewusst nachdenken. Für Menschen auf der Straße sind diese Dinge jedoch keineswegs selbstverständlich. Sie erfordern Aufwand, Planung oder sind manchmal schlicht nicht erreichbar. Zu sehen, dass es ein Angebot gibt, das aktiv zu den Menschen fährt und genau diese grundlegenden Dinge verteilt, hat mir gezeigt, wie viel selbst kleine Gesten bewirken können.
Noch mehr als die praktische Hilfe blieben mir jedoch die menschlichen Begegnungen im Kopf. Die Gespräche zwischen den Streetworker:innen und den Menschen auf der Straße machten deutlich, dass diese Arbeit weit über das Verteilen von Dingen hinausgeht. Es geht um Verbindung. Gespräche über das Wetter, Fußball oder einfach den Alltag wirken vielleicht banal, bekommen in diesem Kontext aber eine ganz andere Bedeutung.
Für Menschen, die oft übersehen, gemieden oder auf ihre Situation reduziert werden, können solche normalen Gespräche unglaublich viel bedeuten. Sie schaffen einen Moment, in dem jemand nicht über seine Lebenssituation definiert wird, sondern einfach als Mensch wahrgenommen wird. Selbst kurze Begegnungen können ein Gefühl von Würde und Normalität vermitteln, das im Alltag häufig fehlt.
Was von außen vielleicht wie eine einfache Aufgabe aussieht — Kaffee oder Wasser zu verteilen — ist in Wirklichkeit etwas viel Tiefergehendes. Die Arbeit, die ich beobachten durfte, bestand nicht nur darin, unmittelbare Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch darin, Präsenz, Respekt und Anerkennung zu schenken.
Nach dieser Erfahrung blieb bei mir vor allem ein Gefühl der Demut zurück. Manchmal geht es nicht nur darum, was gegeben wird, sondern auch darum, wie es gegeben wird — und welche Botschaft damit verbunden ist: Du wirst gesehen.
Dieser Artikel spiegelt die persönlichen Erfahrungen unserer Digital Communications Managerin Joanita Akello während einer Streetwork-Runde in Düsseldorf wider.
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